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100 Jahre katholische Zeitschrift in Schweden

Dieses Jahr feiert die Zeitschrift der Jesuiten in Schweden ein Jubiläum. Vor 100 Jahren, 1920, erschien die erste Ausgabe der Zeitschrift „Credo“ der Jesuiten in den nordischen Ländern mit dem Untertitel „Katholische Zeitschrift“. Das erste Heftchen hatte lediglich 15 Seiten Text, darunter drei Seiten kirchlicher Kalender und Anzeigen.

Im Lauf der Jahrzehnte nahm der Umfang der Zeitschrift immer mehr zu. 1975 ging „Credo“ mit dem 1963 entstandenen „Katholischen Informationsdienst“ zusammen in die Zeitschrift „Signum“ auf, die seit 2001 vom Newman-Institut in Uppsala herausgegeben wird – achtmal im Jahr, meist auf 64 Seite mit Meinungsartikeln, aktuellen Berichten, Hauptartikeln, Länderberichten und oft auch längere Buchrezensionen. Die schwedische Jesuitenzeitschrift braucht also den Vergleich mit den Schwestern in den großen europäischen Ländern nicht zu scheuen.

Die meisten Beiträge waren in den ersten Jahrzehnten in Schwedisch, doch es gab auch Beiträge in Norwegisch und Dänisch – drei Sprachen, die sich in den schriftsprachlichen Versionen nahestehen, darüber hinaus wurde Schwedisch auch noch von vielen Finnisch-sprachigen Menschen verstanden. Alle vier skandinavischen Länder waren seit 16. Jahrhundert weitgehend lutherisch. Von 1617 an war die Mitgliedschaft in der katholischen Kirche in Schweden gesetzlich verboten, erst seit 1783 durften Katholiken ausländischer Herkunft in Schweden wieder Gottesdienst feiern.

1879 ließ sich eine kleine Gemeinschaft deutscher Jesuiten in Stockholm nieder und übernahm die Pfarrgemeinde der Ausländer St Eugenia. Die letzten diskriminierenden Verordnungen für Katholiken wurden erst 1951 aufgehoben aufgehoben. Die lutherische „Volkskirche“ blieb aber bis zum Jahr 2000 formell Staatskirche. Schon früh gab es in der verschwindend kleinen Herde der schwedischen Katholiken neben den Einwanderern die überzeugten intellektuellen Konvertiten. Einer der prominentesten Konvertiten war der Priester Bernt David Assarson (1892-1955), bis 1937 „Credo“-Redakteur.

Die zahlenmäßig recht kleinen Gemeinden in den schwedischen Metropolen fühlten sich unter Druck der Mehrheitsgesellschaft, gleichzeitig sind die „Credo“-Artikel der frühen Jahre voll von missionarischem Bewusstsein. Ökumenisches Denken brach sich auf allen Seiten erst im Laufe der Jahre Bahn, wobei wichtige Impulse von Nathan Söderblom (1866-1931) ausgingen, lutherischer Erzbischof von Uppsala, der als eine der Vatergestalten der Ökumene gilt.

Nach dem Zweiten Vatikanum (1962-1965) setzte auch auf katholischer Seite in Schweden ein Umdenken ein. Zweifellos ist „Signum“ heute ökumenischer denn je, markiert aber gleichzeitig mit seinem Untertitel „Katholische Orientierung über Kirche, Kultur und Gesellschaft“ immer noch deutlicher als etwa die deutsche Kulturzeitschrift „Stimmen der Zeit“ katholische Identität in der besonders stark von Selbstsäkularisierung betroffenen schwedischen Gesellschaft. Nach menschlichem Ermessen wird in wenigen Jahren weniger als 50% der schwedischen Gesellschaft noch einer Kirche angehören.

Noch immer sind Katholiken eine recht kleine Minderheit in Schweden - ca. 150.000 von 10 Millionen Schweden, organisiert in einem Bistum mit derzeit 44 Pfarreien. Sie wächst zwar auf niedrigem Niveau, etwa durch die Einwanderung aus Polen oder Syrien, doch bleibt sie auf absehbare Zeit eine Nischenkirche. Der Islam ist zahlenmäßig bei weitem stärker. „Signum“ ist allerdings eines der Organe, mit der der Katholizismus in Schweden eine beachtliche Außenwirkung erzielt.

Die Zeitschrift hat zweifellos einen festen Platz im kulturkritischen Publikationswesen in Schweden und findet zahlreiche Leser (und Autoren) außerhalb des auf katholischen Milieus. Neben der gedruckten Zeitschrift ist in den letzten Jahrzehnten signum.se mit nahezu täglich neuen Artikeln zu einer wichtigen medialen Plattform herangewachsen, sowie seit einiger Zeit auch der Signum-podcast mit regelmäßigen Audiobeiträgen zum Herunterladen.

Bei der offiziellen 100-Jahrs-Feier am kommenden 7. März in Stockholm hat sich einiges an Prominenz aus den Kirchen und aus dem Kulturleben Schwedens überhaupt angesagt. Die Anmeldungsliste verzeichnet mehr als 300 Namen. Thema des Tages ist „Das gelehrsame Gespräch“ – Hauptredner ist der deutsche Soziologe und katholische Sozialphilosoph Hans Joas. „Signum“ sieht, mit anderen Worten, seinen Platz in der Beteiligung an gesamtgesellschaftlichen und kulturellen Diskursen.

Die katholische Kirche tut gut daran, sich in der pluralistischen Gesellschaft nicht die Nische der Selbstprivatisierung hineindrängen zu lassen. Stattdessen muss sie ihr Profil in den öffentlichen Diskurs einbringen. Gerade auch Nicht-Katholiken respektieren „Signum“ und auch die katholische Kirche überhaupt, weil sie nicht nur ein Abbild der Gesellschaft ist, sondern sich einige Ecken und Kanten bewahrt hat und fähig ist, auch einmal unbequeme Wahrheiten aufzutischen. Selbst wenn es unbequeme Wahrheiten über die Kirche selbst sind.

Der romantische Traum einer „katholischen Renaissance“ in den nordischen Ländern, von der im ersten „Credo“-Heft von 1920 die Rede war, ist einem realistischen, aber nicht weniger bedeutenden Hoffnung gewichen: In aller Bescheidenheit dazu beizutragen, dass „das Licht in der Dunkelheit leuchtet“, wie es im Editorial des Jubiläumsheftes „Signum“ 2-2020 unter Berufung auf die Anfangsworte des Johannesevangeliums heißt.

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