• Sonja Tröndle. Foto: Privat
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Exerztien statt Strand und Palmen

Die Sommerferien sind in einigen Bundsländern schon längst zu Ende, die Herbstferien stehen vor der Tür. Sonja Tröndle empfliehlt nicht an den Strand zu fahren, sondern Exerzitien zu machen. Sie hat im Sommer Exerzitien in der Zukunftswerkstatt SJ in Frankfurt gemacht und beantwortet nun die Frage, warum sie ihren Urlaub nicht am Strand unter Palmen sondern schweigend in Frankfurt verbracht hat:

Diese Frage habe ich mir anfänglich häufig gestellt: Stimmt mit mir etwas nicht, dass ich meinen Sommerurlaub in einem, wie ich finde, nicht unbedingt zu den allerschönsten Ecken Frankfurts gehörenden Stadtteil mit Schweigeexerzitien verbringe anstatt in der Karibik am türkisblauen Meer mit weißem Sandstrand, womit ich anschließend mit wunderschönen Fotos und spannenden Geschichten vermutlich wesentlich mehr beeindrucken könnte?

Inzwischen bin ich Wiederholungstäter. Das erste Mal als ich Exerzitien in der Zukunftswerkstatt gemacht habe, damals über Silvester, hatte ich keine Lust mehr, auf einer Party mit vermutlich viel Alkohol und wenig Tiefgang, Raketen in die Luft zu jagen. Auch jetzt hatte ich die Sehnsucht nach mehr Tiefe in meinem Leben und das Bedürfnis, mich von unnötigem Ballast zu befreien und auf das Wesentliche konzentrieren zu wollen. Mein Leben auszumisten und zu schauen, was ich wirklich will, anstatt den äußeren Anforderungen hinterher zulaufen.

Die ersten Tage waren hart. Ich habe mir die anfängliche Frage häufig gestellt, habe gehadert, auch gelitten, da ich es sehr herausfordernd fand, mit einem Mal so viel Zeit ohne Ablenkung nur für mich zu haben. Und habe einfach weitergemacht. Nach und nach wurde es leichter. Ohne größeren Einfluss von außen, bin ich mehr zu mir gekommen und habe mich auf einmal weniger abhängig von Textnachrichten, der Laune der anderen oder meinen Ansprüchen an mich selbst gefühlt. Und plötzlich war er da - der Zugang zu Gott. Ich bin mit Gott ins Gespräch gekommen, habe gelauscht, in mich hinein gehört. Durch das Lauschen habe ich sehr viel mehr als gewöhnlich mitbekommen. Die ständige Präsenz Gottes, seine Liebe, sein Licht, Antworten auf meine Frage und die Fülle des Lebens mit den kleinen und großen Wunder, die Gott ständig in mein Leben schickt.

Es war sehr beeindruckend, wieviel Freude und Lebenslust mit einem Mal da waren und nur aus mir selbst zu kommen schienen. Ganz ohne äußeres Zutun, nur durch genügend Zeit und Raum. Und ich sah auch, wieviel ich auf einmal nicht mehr brauchte und zunehmend an Bedeutung verlor. An vorderster Front war hier mein Handy zu nennen.

Nach neun Tagen Abenteuer mit einigen Höhen und Tiefen war der „Urlaub mit Gott“ zu Ende. Ich bedauerte es sehr und hatte große Angst mich im Trott des Alltages schnell wieder zu verlieren. Da ich es aber auch liebe, mich mit anderen auszutauschen, zu lachen und einfach gemeinsam Spaß zu haben, trauerte ich hingegen der Stille weniger nach.

Ich habe die Zukunftswerkstatt als ein Ort erlebt, wo ganz normale junge Menschen mit ähnlichen Sorgen, Wünschen und Anliegen wie ich und einer Sehnsucht nach „mehr“ hinkommen, um darauf Antworten zu finden. Ganz alltagsnah und nicht so weltfremd wie mir die Institution Kirche manchmal erscheint. Einen Ort, wo Gott für mich erlebbar wird. Das macht Hoffnung, dass es möglich ist, die Erfahrungen aus den Exerzitien auch in meinem Alltag leben zu können. Ich würde zwar manchmal lieber im Strom mitschwimmen, aber der Preis dafür, ein sehr flach und unlebendig Leben, ist letztendlich sehr hoch. Ich bin sehr dankbar, dass Gott einen einzigartigen Weg für mich geschaffen hat, auf dem er mich immer begleitet.

Im Nachhinein würde ich die anfängliche Frage so beantworten: Was könnte ich Schöneres mit meiner freien Zeit machen, als mir und Gott ganz nahe zu sein? Freude und Glück ganz unabhängig von äußeren Umständen erleben? Und nicht nur das: Ich frage mich, warum nicht mehr Leute daran interessiert sind, ihr eigenes Licht zum Leuchten zu bringen und damit die eigene Lebensqualität auf ein Höchstmaß zu steigern und ganz nebenbei auch noch die größte Freude für andere dabei zu sein.

Sonja Tröndle

Partner