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Jesuit und Rockabilly

Pater Björn Mrosko SJ (43) spielt als Drummer in der Hamburger Rockabilly-Band '18 Miles to Memphis' – für einen Priester ein ungewöhnliches Hobby.

Sie sind begeisterter Schlagzeuger. Wann hatten Sie das erste Mal Sticks in der Hand?

Da war ich etwa 12 oder 13 Jahre alt. Mein Vorbild war Slim Jim Phanton, Drummer der Rockabilly-Band 'Stray Cats'. Begonnen habe ich auf dem Schlagzeug im Keller eines Freundes. Heute spiele ich zuhause auf einem Mapex und im Bandraum auf einem Sonor.

Was genau ist Rockabilly?

Sehr vereinfacht ausgedrückt: In der Mitte der 1950er Jahre begannen junge Musiker wie Elvis Presley oder Carl Perkins, schwarzen Rhythm & Blues mit Country-Musik zu vermischen. Daraus wurde Rockabilly, also eine Musikrichtung am Beginn des Rock ’n’ Roll, mit der eigentlich alles begonnen hat, was wir heute als Rockmusik bezeichnen würden. 

Musik fasziniert mich, weil man mit ihr Gefühle und Gedanken ausdrücken und eine Atmosphäre schaffen kann. Musik kann uns anrühren und wirklich verändern. Jeder, der einmal Liebeskummer hatte, weiß das.

Haben Sie mal davon geträumt, Profimusiker zu werden?

Ja, als Jugendlicher ganz bestimmt. Vor einigen Jahren konnte ich mit meiner damaligen spanischen Band im Berliner 'Wild at Heart' auftreten. Das ist ein Laden, in dem ich selbst unglaublich viele Konzerte gesehen habe und in dem ich schon sehr lange unbedingt spielen wollte. Dieser Abend hat mich mit meinem Jugendtraum versöhnt. Ich bin auch kein herausragender Schlagzeuger, ich würde mich am Instrument eher als solide bezeichnen. Ich hatte einfach Glück, in Bands mit sehr guten Musikern zusammenspielen zu können.

Wie finden Ihre Mitbrüder es, dass Sie nebenbei Schlagzeuger sind?

Meine Erfahrung ist, dass Jesuiten gar nicht so selten stolz aufeinander sind. Die Begabungen einzelner sind ja sehr vielfältig und werden im Orden gefördert. Wenn ich in Städten auftrete, wo Jesuiten leben, sind bisher immer auch einige Mitbrüder zu den Konzerten gekommen.

Und wie kommt es bei Ihren Bandmitglieder an, dass Sie Priester sind?

Das hat in keiner meiner Bands bisher eine größere Rolle gespielt. Wir sprechen über Musik und eben über all das, worüber Freunde sich unterhalten. Da sind dann konkrete Geschichten aus der Jugendarbeit oder der Schule interessanter als die Tatsache, dass ich Priester bin. Vieles von dem, was uns innerkirchlich gerade beschäftigt, hat für das Leben meiner Bandkollegen keinerlei Bedeutung.

Fühlen Sie Gottes Nähe stärker, wenn Sie Schlagzeug spielen oder wenn Sie die Messe feiern? 

Gott suchen und finden in allen Dingen. Das, so verstehe ich es zumindest, ist der Gedanke von Weihnachten und von der Eucharistie. Gott berührt und durchdringt die ganze Welt – und so kann alles heilig werden, also auch jeder Mensch. Gott ist Mensch geworden, damit ich wirklich Gott werde – so haben es die Kirchenväter ausgedrückt. Alle Dinge dieser Welt sind Mittel, die uns auf dem Weg zu diesem Ziel hin helfen können. Die Messe sicher in anderer Weise als manche Formen der Kunst. Es kann unglaublich berührend sein, mit Freunden unterwegs zu sein und Musik zu machen. Die wichtigste Quelle allerdings ist für mich das kontemplative Gebet. Das, was ich dort erfahre, prägt meinen Blick auf die Welt und meine Weise, in dieser Welt unterwegs zu sein.

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