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Sozialökologischen Wandel bei sich entdecken und einüben

"Da der Alltag in vielen Fällen nicht die einfachste Umgebung bildet, um neue Möglichkeiten zu entdecken und einzuüben, ist es gut, von Zeit zu Zeit aufzubrechen." Christoph Albrecht SJ bietet schon seit vielen Jahren Wanderexerzitien an, um beim Gehen, Wandern, Pilgern, Meditieren, Beten und gemeinsamen Singen mit der Natur verbunden zu sein und ganz bewusst Dinge zurückzulassen.

Die ökologische Katastrophe kann nicht allein durch die Veränderung des Lebensstils einzelner Menschen verhindert werden. Diese ernüchternde Einsicht teilt auch Papst Franziskus in seiner sozial-ökologischen Enzyklika Laudato Si′. Umgekehrt können wir uns auch nicht allein auf umweltverträgliche technologische Entwicklungen und politische Entscheidungen verlassen. Es braucht eine radikale Umorientierung eines möglichst grossen Teils der Bevölkerung, vor allem in den Ländern mit verbreitetem Wohlstand, in denen die Menschen tatsächlich die Wahl haben, auf umweltbelastende und ressourcenintensive Produkte und Dienstleistungen zu verzichten. Auch das sieht Papst Franziskus sehr deutlich.

Und er sieht noch einen weiteren Punkt: Rationale Erkenntnis und ethische Einsicht allein werden bei den allerwenigsten Menschen zu einem neuen Handeln führen. Die erforderliche Neuorientierung geschieht, wo Menschen existentielle und spirituelle Beweggründe für einen geschwisterlichen Umgang miteinander und mit den nichtmenschlichen Lebewesen haben. Im Bewusstsein der tiefen Verbundenheit mit der ganzen Schöpfung treffen wir viele Entscheidungen in einem rücksichtsvolleren, ganzheitlicheren und nachhaltigeren Sinn. In einer solchen Haltung sind wir eher Beschenkte als atemlos Zukurzkommende, eher kreativ als konsumgesteuert, initiieren und begleiten wir eher Prozesse, als dass wir meinen, Räume besetzen und beherrschen zu müssen.

Wer einmal die seelische Leere des käuflichen Überflusses gespürt, dann aber auch die Freude am Glück eines Kindes oder auch an einer aufblühenden Pflanze erfahren hat, versteht sehr wahrscheinlich schon etwas von dieser öffnenden Geborgenheit und respektvollen Freiheit, in die hineinzuwachsen wir als Menschen eingeladen sind.

Da der Alltag in vielen Fällen nicht die einfachste Umgebung bildet, um neue Möglichkeiten zu entdecken und einzuüben, ist es gut, von Zeit zu Zeit aufzubrechen. Ganz bewusst viele Dinge zurückzulassen und die Leichtigkeit es Seins beim Gehen, Wandern, Pilgern, Meditieren, Beten und gemeinsamen Singen zu zulassen. Solche Gelegenheiten wünsche ich allen, die ernsthaft oder zaghaft danach suchen!

Christoph Albrecht SJ

 

 

Autor:

Christoph Albrecht SJ

Auf dem Weg mit Flüchtlingen und Fahrenden in der Schweiz.

Christoph Albrecht, geboren 1966 in Basel, lernte in seiner Jugend Maschinenmechaniker und absolvierte danach das Studium zum Elektroingenieur HTL. Seit 1989 im Jesuitenorden, lebte zwei Jahre als Lehrer in Bolivien, studierte in München Philosophie und in Paris und Innsbruck Theologie, wo er 2004 über Luis Espinal SJ promovierte. 2004-2009 Mitarbeit in der Leitung des Bildungshauses Notre-Dame de la Route, Fribourg.  2009-2016 Universitäts- und Flüchtlingsseelsorger in Basel. Seit Sommer 2016 in Zürich verantwortlich für die katholische Seelsorge der Fahrenden in der Schweiz und für den Jesuiten-Flüchtlingsdienst der Schweiz.

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