• James Martin SJ am 30. 09.2019 bei Papst Franziskus.
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James Martin SJ: Wenn die Elefanten kämpfen

Als ich Anfang der 90er Jahre in Kenia mit Flüchtlingen arbeitete, habe ich auf Kisuaheli oft den Spruch gehört: „Wapiganapo tembo nyasi huumia“, was bedeutet: „Wenn Elefanten kämpfen, leidet das Gras.“

Gewöhnlich drückt man damit aus, dass, wenn die Großen (der Nationen und Staaten, die Machthaber) miteinander kämpfen oder in den Krieg ziehen, es immer die Armen sind, die am meisten leiden müssen. Oder eben gerade jene, die ohnehin „am Boden sind“. Das sollte zumindest jedem klar sein, der schon mal eine Zeitung aufgeschlagen hat oder online die Geschichten der Opfer des Krieges, der Flüchtlinge oder Migranten verfolgt hat.

Aber das Sprichwort bezieht sich auch auf das, was mit den Armen geschieht, wenn Politiker über den Klimawandel streiten, nämlich: Sie leiden. Immer leiden die Armen unverhältnismäßig stark unter den Folgen des Klimawandels.

Warum? Einfach deshalb, weil sie nirgendwo hingehen können. Sie können den Folgen des Klimawandels nicht entkommen. Wenn Ihre Familie seit Jahrzehnten in einem Hochwasserregion an einer Küste oder an einem Flussufer lebt, können Sie nicht einfach sagen: „Nun, lasst uns woandershin ziehen.“ Wenn Ihnen als Fischer die Lebensgrundlage weggenommen wird, weil bestimmte Fischarten aufgrund des Klimawandels aussterben, können Sie nicht sagen: "Nun, dann finden wir eine andere Art Arbeit.“ Wenn Sie arbeitslos sind und Ihr Haus sowie alles Hab und Gut durch einen Jahrhundertsturm (einen Hurrikan, Zyklon oder Tornado), wie er jährlich oder sogar monatlich auftritt, zerstört werden, können Sie nicht sagen: „Nun, dann fangen wir nochmal neu an.“ Am Ende bleibt Ihnen gar nichts mehr anderes übrig.

Warum ist es für politische Entscheidungsträger so schwer, dies zu erkennen? Papst Franziskus stellt in "Laudato Si" fest, dass viele von ihnen die Armen einfach gar nicht kennen. So bleiben die Armen für sie unsichtbar, ihre Sorgen ohne jede Bedeutung. Es sollte daher eines unserer Ziele sein, die Elefanten durch unser Abstimmungsverhalten bei den Wahlen, durch unser anwaltschaftliches Eintreten, durch unsere Kommunikation und durch unseren Protest dazu zu bringen, sich um die Kleinen zu kümmern.

Autor:

James Martin SJ

Der Jesuitenpater James Martin SJ ist als Bestsellerautor, Redner und Mitarbeiter der Jesuitenzeitschrift „America“ einer der profiliertesten katholischen Publizisten der Vereinigten Staaten. Im April 2017 ernannte Papst Franziskus den 59-jährigen zum Berater des vatikanischen Kommunikationssekretariats. Bekannt geworden ist er durch Veröffentlichungen wie "The Jesuit Guide to (Almost) Everything" (2010) und "Jesus - A Pilgrimage" (2014). In seinem 2017 erschienenen Buch "Building a Bridge" fordert er die Kirche zu größerer Offenheit gegenüber der „LGBT-Community“ auf.

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