• Dag Heinrichowski SJ. © SJ-Bild/Jana Schmitz-Hübsch
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Wir fragen, was Jesus heute mit unserem Alltag zu tun hat

In den Debatten um die Zukunft der Kirche in Deutschland wird viel über Evangelisierung gesprochen. Doch offenbar meint jeder etwas anderes damit. Wir wollen Klarheit schaffen. Die aktuelle Kirchenzeitung der Verlagsgruppe Bistumspresse hat Expertinnen und Experten gefragt, was sie unter dem Begriff verstehen. Hier die Antwort von Dag Heinrichowski SJ; er ist Jesuit und bringt auf verschiedenen Social-Media-Kanälen das Evangelium des Tages in einer Minute auf den Punkt.

Momentan erlebe ich am eigenen Leib, was es bedeutet, eine Sprache nicht wirklich zu können. In der Schule habe ich – nicht unbedingt aus lauteren Überlegungen – Altgriechisch statt Französisch gewählt und nun befinde ich mich im ersten Semester an der Jesuitenhochschule Centre Sèvres mitten in Paris. Der Vorteil, wenn man eine Sprache noch nicht gut spricht: Man muss sich kurz und klar ausdrücken, damit zumindest irgendwas von dem ankommt, was ich sagen möchte. Es fehlen die Vokabeln, um drumherumzureden. Ich muss auf den Punkt kommen. Eine gute Vorbereitung aufs Evangelisieren.

Die ersten Jesuiten um Ignatius von Loyola waren eine ziemlich bunte und internationale Gruppe. Auf ihren verschiedenen Reisen haben sie sich auf öffentliche Plätze gestellt, die Leute – vor allem Kinder und Jugendliche – um sich versammelt und vom Glauben und dem Evangelium erzählt. Ich bin nicht sicher, ob die Leute zugehört haben, weil sie interessiert waren oder sich gut unterhalten fühlten: Die Jesuiten sprachen wohl selten die Landessprache und haben deshalb mit irgendwelchen Sprachfetzen, sowie Händen und Füßen versucht zu evangelisieren. Was ich beeindruckend finde: Sie wagten sich heraus in den öffentlichen Raum und sprachen über das, was ihr Leben mit Freude und Sinn erfüllte. Sie hatten nichts zu verlieren. Die Form mag alles andere als perfekt sein, der Inhalt war großartig und ihre Begeisterung für Jesus kam auch ohne passende Worte an.

Ähnliches versuchen wir Jesuiten seit einem knappen Jahr mit der wöchentlichen OneMinuteHomily im öffentlichen Raum – Facebook, Youtube und Instagram. Wir erzählen etwas von dem, was unserem Leben Freude und Sinn gibt. Ausgangspunkt ist das Evangelium des Sonntags und die Frage, was dieser Jesus und seine Geschichte heute noch mit meinem Alltag zu tun haben. Wer das einminütige Video sieht, findet vielleicht etwas, was mit seinem Alltag zu tun hat. Ein Versuch, im Alltag zu evangelisieren.

Klare Sprache, den Mut hinauszugehen, ohne Angst, etwas zu verlieren, und die Relevanz für den Alltag – diese drei Zutaten machen für mich Evangelisierung aus.

SJ-YouTube-Kanal mit der "One-Minute-Homily"

Autor:

Dag Heinrichowski SJ

<p>Dag Heinrichowski SJ ist in Hamburg aufgewachsen. Im Anschluss seines Abiturs hat er mit dem Theologiestudium begonnen. Stationen waren Sankt Georgen und das Newmaninstitut in Uppsala. Mit 24 Jahren ist er in den Jesuitenorden eingetreten. Nach dem Noviziat hat er in der Jugendarbeit am Canisius-Kolleg (CK) in Berlin mitgearbeitet. Derzeit studiert er Theologie in Paris.</p>

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